Frau misst beim Kauf den Durchmesser eines Tellers als Symbol für Portionsgröße beim Abnehmen

Warum Sie zu viel essen: Diese 3 Esstypen sollten Sie kennen

„Iss einfach weniger.“ „Nimm einen kleineren Teller.“ „Iss mehr Gemüse, dann kannst du große Portionen essen.“ Wer abnehmen möchte, bekommt schnell eine ganze Sammlung solcher Ratschläge. Das Problem: Sie können sinnvoll sein – aber nicht für jeden Menschen und nicht für jedes Essverhalten.

Denn „zu viel essen“ kann vollkommen unterschiedlich aussehen. Der eine isst tatsächlich sehr große Portionen. Der nächste isst mengenmäßig wenig, wählt aber häufig Lebensmittel mit hoher Energiedichte. Und wieder jemand bewegt sich irgendwo dazwischen: Die Portionen sind nicht außergewöhnlich groß, liefern für den persönlichen Energiebedarf aber regelmäßig etwas zu viel Energie.

Wer nachhaltig abnehmen möchte, sollte deshalb nicht als Erstes fragen: „Welche Diät soll ich machen?“ Die wesentlich interessantere Frage lautet: Wo liegt eigentlich mein persönliches Problem?

Inhaltsverzeichnis

Nicht jeder isst auf die gleiche Weise zu viel

Gewichtsabnahme wird häufig auf eine einzige Regel reduziert: weniger Kalorien aufnehmen, als der Körper verbraucht. Für die Energiebilanz ist das grundsätzlich entscheidend. Im Alltag beantwortet diese Aussage allerdings noch nicht die viel schwierigere Frage: Wie erreicht ein bestimmter Mensch dieses Defizit, ohne nach wenigen Wochen entnervt aufzugeben?

Genau dafür lohnt sich ein Blick auf das bisherige Essverhalten. Nicht auf den perfekten Ernährungstag, den man gern erzählen würde, sondern auf einen ganz normalen Dienstag, Samstagabend oder stressigen Arbeitstag. Wie groß sind die Portionen? Wie häufig wird gegessen? Welche Lebensmittel landen regelmäßig auf dem Teller? Wie viel Öl, Käse, Nüsse, Süßigkeiten, Snacks oder Getränke kommen nebenbei dazu? Und vor allem: Wo entsteht tatsächlich der größte Energieüberschuss?

Erst danach lässt sich sinnvoll entscheiden, welche Veränderung überhaupt notwendig ist. Denn jemandem, der bereits kleine Portionen isst, einfach noch kleinere Portionen zu empfehlen, kann genauso am Problem vorbeigehen wie der Rat, einem Menschen mit sehr großen Portionsgewohnheiten einfach noch größere Mengen kalorienarmer Lebensmittel hinzustellen.

Typ 1: Sehr große Portionen

Manche Menschen sind schlicht an große Mengen gewöhnt. Ein großer Teller reicht nicht, es gibt Nachschlag, beim Restaurantbesuch wird selbstverständlich die gesamte Portion gegessen und auch zu Hause fühlt sich eine Mahlzeit erst dann „richtig“ an, wenn der Teller entsprechend voll ist.

Hier ist Portionsgröße tatsächlich relevant. Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse randomisierter Studien kam zu dem Ergebnis, dass größere Portionen bei Erwachsenen mit einer höheren täglichen Energieaufnahme verbunden waren. In den ausgewerteten Vergleichen lag die zusätzliche Energieaufnahme bei größeren Portionen im Mittel bei rund 295 kcal pro Tag. Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass nicht ausreichend Daten vorlagen, um daraus einen langfristigen Effekt auf das Körpergewicht zuverlässig abzuleiten.

Für Menschen, deren Hauptproblem tatsächlich sehr große Portionen sind, kann es deshalb sinnvoll sein, die gewohnte Menge schrittweise zu verändern. Schrittweise ist dabei entscheidend. Aus zwei riesigen Tellern muss morgen nicht plötzlich eine winzige Diätportion werden. Eine solche Veränderung ist für viele Menschen weder angenehm noch langfristig realistisch.

Stattdessen kann man zunächst beobachten, welche Menge normalerweise gegessen wird, etwas kleinere Portionen servieren und nach dem Essen prüfen, ob tatsächlich noch körperlicher Hunger besteht. Auch Nachschlag muss nicht verboten sein. Die Idee besteht vielmehr darin, die automatische Verbindung zwischen „Mahlzeit“ und „sehr große Menge“ langsam aufzubrechen.

«Als Koch sehe ich einen großen Unterschied zwischen einer Mahlzeit, die satt machen soll, und einer Mahlzeit, die einfach nur möglichst groß sein soll. Geschmack, Eiweiß, Gemüse, Konsistenz und eine gute Zusammenstellung können viel wichtiger sein als ein Teller, der bis zum Rand gefüllt ist.»
(с.) Christopher Abdelalhaleem, Gründer von Just Jam

Typ 2: Kleine Portionen mit sehr vielen Kalorien

Dann gibt es das genaue Gegenteil. Manche Menschen essen tatsächlich keine großen Mengen und sind überzeugt: „Ich esse doch fast nichts.“ Das kann sogar stimmen – zumindest gemessen am Volumen.

Eine relativ kleine Menge kann trotzdem sehr viel Energie liefern. Käse, Nüsse, Schokolade, Gebäck, Chips, Wurstwaren, fettreiche Saucen, Öl oder bestimmte Restaurantgerichte sind dafür typische Beispiele. Besonders Fett fällt dabei ins Gewicht: Ein Gramm Fett liefert etwa 9 kcal, während Eiweiß und Kohlenhydrate jeweils etwa 4 kcal pro Gramm liefern.

Ein kleiner Teller ist deshalb nicht automatisch ein kalorienarmer Teller. Ein Salat mit reichlich Öl, Käse und Nüssen kann mehr Energie liefern als eine wesentlich größere Mahlzeit aus Gemüse, Kartoffeln und einer mageren Eiweißquelle. Ebenso können einige Snacks über den Tag mengenmäßig unscheinbar wirken und trotzdem einen erheblichen Teil der täglichen Energieaufnahme ausmachen.

Für diesen Esstyp wäre der pauschale Rat „Essen Sie einfach kleinere Portionen“ möglicherweise genau die falsche Richtung. Die Portion ist bereits klein. Interessanter ist die Frage, was in dieser Portion steckt.

Typ 3: Normale Portionen – aber etwas zu viel Energie

Zwischen beiden Extremen befindet sich wahrscheinlich eine große Gruppe: Menschen, die weder riesige Mengen noch auffällig kleine Portionen essen. Frühstück, Mittag- und Abendessen sehen vollkommen normal aus. Trotzdem liegt die durchschnittliche Energieaufnahme etwas über dem persönlichen Bedarf.

Hier muss die Ernährung nicht vollständig umgebaut werden. Häufig reichen kleinere Veränderungen: etwas weniger Öl beim Kochen, eine andere Zusammensetzung des Frühstücks, mehr Gemüse als Beilage, eine sättigendere Eiweißquelle, weniger flüssige Kalorien oder eine bewusstere Menge energiereicher Extras.

Gerade in diesem Bereich kann es hilfreich sein, für eine begrenzte Zeit genauer hinzusehen. Nicht unbedingt, um für den Rest des Lebens jede Tomate zu wiegen, sondern um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wo die Energie tatsächlich herkommt. Häufig sind es nicht die Lebensmittel, die man zunächst verdächtigt.

Warum die Energiedichte trotzdem wichtig ist

Das Konzept der Energiedichte ist keineswegs Unsinn. Im Gegenteil: Es gehört zu den gut untersuchten Ansätzen im Gewichtsmanagement. Energiedichte beschreibt vereinfacht, wie viele Kalorien ein Lebensmittel im Verhältnis zu seinem Gewicht liefert.

Gemüse, viele Obstsorten, Suppen oder andere wasserreiche Lebensmittel haben häufig eine relativ niedrige Energiedichte. Öl, viele Süßwaren, Chips oder sehr fettreiche Lebensmittel besitzen dagegen eine hohe Energiedichte.

Eine systematische Übersichtsarbeit zur Energiedichte und Körpergewicht, die unter anderem randomisierte kontrollierte Studien bei Erwachsenen berücksichtigte, kam zu dem Ergebnis, dass Ernährungsmuster mit niedrigerer Energiedichte die Gewichtsabnahme und Gewichtskontrolle unterstützen können.

Auch eine weitere Meta-Analyse bei Erwachsenen mit Adipositas fand einen Zusammenhang zwischen einer niedrigeren Energiedichte der Ernährung und Gewichtsreduktion. Das Prinzip kann also durchaus hilfreich sein: Ein größerer Anteil energieärmerer Lebensmittel ermöglicht häufig eine befriedigende Menge an Essen bei geringerer Gesamtenergieaufnahme.

Aber daraus folgt nicht automatisch: Je größer das Essensvolumen, desto besser. Genau hier wird aus einem sinnvollen Prinzip manchmal eine zu einfache Social-Media-Regel.

Warum „iss einfach mehr Volumen“ nicht für jeden die beste Lösung ist

Unter Begriffen wie „Volume Eating“ wird häufig empfohlen, große Mengen kalorienarmer Lebensmittel zu essen. Ein kleiner Teller Nudeln wird beispielsweise durch eine riesige Portion Gemüse ergänzt, aus einem Dessert wird eine große Schüssel aus Joghurt, Beeren und anderen energieärmeren Zutaten. Für manche Menschen funktioniert das hervorragend: Sie mögen große Portionen und können dadurch ihre Energieaufnahme reduzieren, ohne ständig das Gefühl zu haben, wenig essen zu dürfen.

Das ist eine vollkommen legitime Strategie. Sie muss nur zum Ausgangsproblem passen.

Wer jedoch ohnehin Schwierigkeiten damit hat, sich mit normalen Portionsgrößen zufrieden zu fühlen und regelmäßig enorme Mengen benötigt, sollte zumindest hinterfragen, ob „noch mehr Volumen“ langfristig die einzige Strategie sein soll. Das Ziel einer Ernährungsumstellung kann schließlich auch darin bestehen, Portionsgrößen, Hunger, Sättigung und Essgewohnheiten besser kennenzulernen.

Andererseits wäre es genauso unsinnig, einem Menschen mit kleinen, hochkalorischen Mahlzeiten noch weniger Volumen zu geben. Hier kann eine größere Menge Gemüse, Salat, Beeren oder anderer Lebensmittel mit niedrigerer Energiedichte gerade dabei helfen, eine Mahlzeit sättigender zu gestalten, ohne ihre Kalorienmenge proportional zu erhöhen.

Die richtige Frage lautet also nicht: „Ist Volume Eating gut oder schlecht?“ Sondern: Welches Problem möchte ich damit lösen?

Machen kleinere Teller automatisch schlank?

Ein häufig genannter Trick lautet, große Teller gegen kleinere auszutauschen. Die Idee klingt überzeugend: Auf einem kleineren Teller wirkt dieselbe Menge größer und man soll dadurch automatisch weniger essen.

Die wissenschaftliche Datenlage ist allerdings wesentlich nüchterner. Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse zur Größe von Geschirr fand keinen konsistenten starken Effekt kleinerer Teller auf die tatsächlich verzehrte Menge. Die Autoren bewerteten allgemeine Empfehlungen, allein über kleinere Teller die Energieaufnahme zu reduzieren, entsprechend zurückhaltend.

Das bedeutet nicht, dass kleinere Teller für einzelne Menschen nutzlos sind. Sie können ein praktisches Hilfsmittel sein, wenn man dazu neigt, sehr große Portionen automatisch aufzutischen. Nur sollte daraus kein Ernährungsgesetz gemacht werden. Entscheidend ist die tatsächlich servierte und gegessene Portion – nicht der Durchmesser des Porzellans.

Welche Strategie passt zu welchem Esstyp?

Wenn man die drei Muster nebeneinanderstellt, wird deutlich, warum identische Abnehmregeln für alle Menschen wenig sinnvoll sind.

  • Sie essen regelmäßig sehr große Mengen: Beobachten Sie Ihre Portionsgrößen und reduzieren Sie sie gegebenenfalls schrittweise. Energieärmere Lebensmittel können weiterhin einen wichtigen Teil der Mahlzeit bilden, sollten aber nicht zwingend dazu dienen, jede Mahlzeit auf maximales Volumen aufzublasen.
  • Sie essen kleine Mengen, aber sehr energiereich: Reduzieren Sie nicht automatisch das Volumen weiter. Prüfen Sie stattdessen Energiedichte und Zusammensetzung. Mehr Gemüse, Obst, Eiweißquellen und ballaststoffreiche Lebensmittel können hier sinnvoll sein.
  • Ihre Portionen sind eher durchschnittlich: Oft reichen moderate Anpassungen. Prüfen Sie energiereiche Extras, Getränke, Snacks und die Zusammensetzung der Mahlzeiten, bevor Sie Ihre gesamte Ernährung auf den Kopf stellen.

Diese Kategorien sind natürlich keine medizinischen Diagnosen und Menschen passen nicht immer sauber in eine Schublade. Man kann beispielsweise unter der Woche kleine Mahlzeiten essen und am Wochenende sehr große Restaurantportionen. Die Einteilung soll lediglich dabei helfen, das eigene Verhalten genauer zu betrachten.

«Beim Abnehmen hat mir vor allem geholfen, meine eigene Ernährung wirklich zu verstehen, statt einfach die nächste allgemeine Regel zu übernehmen. Genau darauf achte ich heute auch bei Lebensmitteln für unsere Familie und bei der Auswahl für Zuckerfrei Shop: Ein Produkt muss zu einer sinnvollen Ernährung im echten Alltag passen.»
(с.) Olena Taranovych, CEO von Zuckerfrei Shop

So analysieren Sie Ihr eigenes Essverhalten

Bevor Sie Ihre Ernährung verändern, können sieben normale Tage mehr verraten als jede neue Diät. Notieren oder fotografieren Sie für eine Woche Ihre Mahlzeiten, Getränke und Snacks – möglichst ohne das eigene Verhalten für diese Woche künstlich „perfekt“ zu machen.

Schauen Sie anschließend nicht nur auf Kalorien, sondern auf Muster. Sind die Portionen regelmäßig sehr groß? Kommt der größte Teil der Energie aus kleinen, energiedichten Lebensmitteln? Werden Mahlzeiten ausgelassen und später kompensiert? Gibt es viel Öl, Käse, Nüsse, Süßigkeiten oder Alkohol, die bei der gedanklichen Einschätzung kaum mitgezählt werden? Sind Mahlzeiten so klein, dass kurz danach wieder Hunger entsteht?

Erst aus dieser Analyse ergibt sich eine sinnvolle Veränderung. Vielleicht brauchen Sie kleinere Portionen. Vielleicht brauchen Sie paradoxerweise mehr Essen auf dem Teller – aber mit einer anderen Zusammensetzung. Vielleicht stimmt die Menge bereits und nur einige regelmäßig wiederkehrende Lebensmittel oder Gewohnheiten verändern die Energiebilanz.

Genau deshalb kann nachhaltiges Abnehmen sehr unterschiedlich aussehen. Zwei Menschen können dasselbe Ziel haben und trotzdem vollkommen verschiedene Dinge verändern müssen.

FAQ

Muss ich kleinere Portionen essen, um abzunehmen?

Nicht zwangsläufig. Wenn Ihre Portionen sehr groß sind und dadurch regelmäßig mehr Energie aufgenommen wird als benötigt, kann eine Reduktion sinnvoll sein. Wer bereits kleine Portionen mit hoher Energiedichte isst, profitiert dagegen möglicherweise stärker von einer veränderten Lebensmittelauswahl als von noch kleineren Mengen.

Was bedeutet Energiedichte?

Die Energiedichte beschreibt, wie viel Energie ein Lebensmittel im Verhältnis zu seinem Gewicht liefert. Lebensmittel mit viel Wasser und häufig auch Ballaststoffen haben oft eine niedrigere Energiedichte, während beispielsweise Öl, viele Süßwaren oder sehr fettreiche Lebensmittel eine hohe Energiedichte besitzen.

Ist Volume Eating gut zum Abnehmen?

Es kann eine hilfreiche Strategie sein, insbesondere wenn Lebensmittel mit niedrigerer Energiedichte einen Teil energiereicher Lebensmittel ersetzen. Es ist jedoch keine zwingende Voraussetzung für eine Gewichtsabnahme und muss zum individuellen Essverhalten passen.

Helfen kleinere Teller beim Abnehmen?

Nicht zuverlässig. Untersuchungen zur Geschirrgröße zeigen keinen konsistenten starken Effekt auf die verzehrte Nahrungsmenge. Ein kleinerer Teller kann persönlich als Orientierung hilfreich sein, ersetzt aber keine Auseinandersetzung mit Portionsgröße und Zusammensetzung der Mahlzeit.

Kann ich zu wenig essen und trotzdem nicht abnehmen?

Für eine längerfristige Gewichtsabnahme ist eine negative Energiebilanz notwendig. Allerdings wird die eigene Energieaufnahme häufig ungenau eingeschätzt. Kleine Portionen können beispielsweise sehr energiereich sein. Wenn sich das Körpergewicht trotz vermeintlich sehr geringer Energieaufnahme über längere Zeit nicht wie erwartet entwickelt, sollte die Situation individuell betrachtet werden; bei gesundheitlichen Beschwerden ist eine medizinische Abklärung sinnvoll.

Fazit: Finden Sie zuerst das Problem – dann die Methode

Es gibt keine Portionsregel, die für jeden Menschen funktioniert. Große Mengen energiearmer Lebensmittel können beim Abnehmen hilfreich sein. Kleinere Portionen können ebenfalls hilfreich sein. Und manchmal ist weder das eine noch das andere die entscheidende Veränderung.

Wer regelmäßig enorme Mengen isst, sollte lernen, Portionsgrößen schrittweise realistischer einzuschätzen. Wer wenig, aber sehr energiereich isst, kann dagegen von mehr volumenreichen und nährstoffreichen Lebensmitteln profitieren. Und wer sich irgendwo dazwischen befindet, braucht häufig keine radikale Ernährungsform, sondern einige gezielte Anpassungen.

Die beste Strategie zum Abnehmen ist deshalb nicht automatisch diejenige, die gerade am lautesten empfohlen wird. Sie ist diejenige, die das Problem löst, das in Ihrer eigenen Ernährung tatsächlich vorhanden ist.

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